Wie wichtig die Unabhängigkeit von teurem Gas und Öl ist, zeigt sich gerade jetzt in Zeiten des Ukraine-Konfliktes besonders deutlich. In Vorchdorf ist man froh, dass man bereits vor Jahren entschieden hat, das neue Gewerbegebiet mit regionaler Nahwärme zu erschließen. Eine Erweiterung des Heizwerks wurde dafür notwendig. Die Bauarbeiten für das neue Heizhaus wurden mit einer Timelapse Baustellenkamera aufgezeichnet und schritten zügig voran. Man liegt voll im Zeit- und Kostenplan und dieser Tage geht das neue Heizwerk in den Probebetrieb.

Das Gewerbegebiet der Inkoba in Vorchdorf ist das erste Betriebsbaugebiet in Oberösterreich, das ausschließlich auf Nahwärme setzt. Alle neu angesiedelten Betriebe werden mit Wärme aus den Biomasse-Kesseln der Nahwärme Vorchdorf versorgt. Bereits im Jahr 2020 wurde für das Gewerbegebiet das Leitungsnetz um 2 km erweitert. Insgesamt ist das gesamte Leitungsnetz über 18 Kilometer lang. Im Vorjahr zog die Nahwärmegenossenschaft Vorchdorf mit der Standorterweiterung beim Heizwerk nach und investierte 7 Millionen Euro auf einer Fläche von 1000m2.

Herzstück der Anlage sind die Holzgasanlage zur Stromgewinnung mit zusätzlichen Heizkesseln. Die Hackschnitzel verglühen und die entstehenden Gase werden zur Stromgewinnung verwendet. Die Genossenschaft vertraut auf österreichische Qualität und einer vollautomatischen Lösung von VEE aus Bürserberg (Vorarlberg). Zum Einsatz kommen drei voll automatisierte Anlagen des Typs wp2.150 mit einer Leistung von jeweils 165 kW. Für eine Erweiterung der Kapazität ist noch Platz vorgesehen, man warte auf die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen des Bundes, heißt es von Geschäftsführer August Schöfberger. Neben dem Hauptprodukt Strom für umgerechnet 1.200 Zwei-Personen-Haushalte pro Jahr wird zusätzlich in einem 3-MW-Biomasse-Kessel Wärme gewonnen, die anschließend ins Netz eingespeist wird.

Momentan sind über 200 Betriebe und Haushalte an das Vorchdorfer Nahwärmesystem angeschlossen und werden mit sauberer Energie versorgt. Jährlich werden 2 Millionen Liter Heizöl eingespart. Das Projekt Nahwärme Vorchdorf startete bereits 2007. Damals schlossen sich Vorchdorfer Landwirte zusammen und waren überzeugt, dass das Nahwärmekonzept nicht nur nachhaltig, sondern auch krisensicher ist. Die Nahwärme Vorchdorf ist heute ein Vorzeigeprojekt in Oberösterreich und als eingetragene Genossenschaft organisiert. 40 Landwirte, die zugleich Eigentümer der Nahwärme Vorchdorf sind, beliefern das Unternehmen mit regionalen Hackschnitzeln.

In Zeiten steigender Rohstoffpreise und Abhängigkeit von Ferngas ist man in Vorchdorf froh, dass man rechtzeitig die Entscheidung so getroffen hat, bekräftigt Bürgermeister Johann Mitterlehner. Er selbst war von Beginn an am Projekt Nahwärme Vorchdorf dabei. Das neue Blockheizkraftwerk und das neue Heizwerk werden im April ihren Probebetrieb aufnehmen, im Juni soll dann feierlich und mit einem Tag der offenen Tür eröffnet werden.

Weise Entscheidung in Zeiten steigender Öl- und Gaspreise
Nahwärme-Obmann ÖR Josef Scherleithner, Bgm. Johann Mitterlehner, Inkoba-GF Horst Gaigg, Nahwärme-Geschäftsführer August Schöfberger und Inkoba-Obmann Herbert Schönberger